Ended

Potato Eaters

Mar 9 – Apr 8, 2017

Alexander Marchuk

Krzysztof Mężyk

Jack Vickridge

Van Gogh ging es in seinen vielzähligen anatomischen Studien von Händen, die dem frühen Ge- mälde „Potatoe Eaters“ vorausgingen, nicht um die Aneignung einer akademisch korrekten Dar- stellungsweise. Seine Intention war vielmehr, über Erdfarben, grob nachgezeichnete Gesichter und Hände, die Verbindung zwischen (Hand-)Arbeit und Lebenserhaltung zu vermitteln. Die Mate- rialität der Farbe, der ungelenke Pinselstrich sind hier äquivalent zum anstrengenden Lebensall- tag der abgebildeten Bauern, zu sehen. Es handelt sich um eine Form der Ent-Abstrahierung, die über die körperliche Malweise, haptische Malgesten und einem pastösen Pinselauftrag gegen eine Entfremdung von Produktion und Konsum anmalte.

Gegenwärtig kann es sich in der Malerei weder um einen rein händischen der Intuition folgenden Weg, noch um einen puren materialbedingten prozessorientierten Weg handeln; das Manuelle ist immer mit einer industriellen Produktionsweise konfrontiert und diese wird wiederum immer unterminiert von den Eigenheiten der künstlerischen Hand. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Malereien und Objekte in der Gruppenausstellung „Potato Eaters“.

Die Malerei des in Kopenhagen lebenden Künstlers Alexander Marchuk zeichnet sich aus durch einerseits eine fast maschinell erscheinende Exaktheit, die jede Geste und jeden Pinselstrich zu vermeiden sucht und andererseits einem in dieser Konstruktion angelegten Feld, indem sich ges- tische Malerei Bahn bricht. Es handelt sich dabei aber nicht um zwei voneinander abgegrenzte Ansätze, sondern vielmehr um einen Dialog, der uns als Betrachter_innen auf dieses der Malerei immanente Problem aufmerksam macht und daran teilhaben lässt. Interessant ist es, Marchuks künstlerischer Auseinandersetzung auch in Bezug auf das Verhältnis von Malerei und ihrer konsti- tutiven Objekthaftigkeit zu folgen, anhand miteinander vernähter, oder in vielen Schichten über- einander angeordneter Leinwände.

Visuelle Übersetzungen von einem Medium in ein anderes, Übertragungen von einer medienspezi- fischen Sprache in eine andere charakterisieren die Arbeit des in London lebenden Künstlers Jack Vickridge. Die Betonobjekte changieren zwischen Bild und Objekt, ihr Herstellungsprozess, der Relief-Drucktechniken entlehnt ist, unterminiert eine Einwirkung der künstlerischen Hand. Durch Zufall entstandene kleine Fehler, abgebröckelte Ränder, Lufteinschlüsse und Risse lassen die Oberflächen der Objekte malerisch erscheinen. Gleichzeitig erinnern sie an industriell hergestell- te Dinge, denen keine dezidiert ästhetische Aufmerksamkeit zukommt, da sie rein funktional ein- gesetzt werden. Trotzdem erwecken sie ein Begehren, man möchte sie berühren und wir werden daran erinnert, dass taktile Tiefe in der physischen Präsenz bei der Begegnung mit einem Objekt uns eventuell an Erde denken lässt, aus der unser Essen kommt.

In dem großformatigen Bild ”At the Gate of Thebes” (2016) bildet der polnische Maler Krzysztof Mężyk einen Zwischenzustand ab, der darin besteht, dass die angedeutete Figur (Ödipus) sich auf dem Weg nach Thebes befindet, sich dem Tor nähert, es aber noch nicht durchschritten hat. Das Begehren darf im übertragenen Sinne noch ungebrochen da sein und kann hier auf die Malerei bezogen werden. Diese findet demnach in einem künstlich aufrecht gehaltenen Zustand des Un- bewussten statt. Mężyks Malerei ist gestisch und offensiv, sie bewegt sich innerhalb der Bildgren- zen und eröffnet dort Räume des Subjektiven.

Jenni Tischer