Ended Oct 12
John Miller
Other Subjectivities
Sep 6 – Oct 12, 2019
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Among John Miller’s significant interests is an ongoing concern for the perception and understanding of art, including the current conditions of its production and consumption. His works often address public space, especially its prevalent forms of representation that can express and regulate a broad range of identities. Throughout his career, Miller has deployed brown paint, gold, and fruit as allegorical tropes; photo wallpaper, globes, photographs, Litfaßsäulen, shaped paintings of pedestrians, as well as conventional paintings of landscapes, reality TV programs, and game shows. Mannequins are yet another recurrent element that the artist adapts as an ostensible mode of reality. This theme is the focus of Other Subjectivities, an exhibition at both Meyer Riegger and the Galerie Barbara Weiss Annex.
The Barbara Weiss location will feature two videos: “What Is a Subject?” and “Deus ex Machina.” Meyer Riegger will show “A Place Called Hope” together with an installation and large-format photographs of mannequins. The videos and photographs straddle both illusory worlds and reality. Miller contends that mannequins are merely anthropomorphized sales display racks that prompt a sometimes-unnerving degree of identification. Rather than attempting to portray the exotic, Miller embraces normative styles and scenarios. In this way, he offers emotionless surrogates as a projection surface for the associations that we, as both beholders and consumers, directly link to fleeting trends and fashions. These projections not only concern popular culture but also pinpoint the present position of the art world within it.
“Poverty” (2018) features a child mannequin clad in a white, three-piece suit. Around his neck hangs a medallion. At his feet lies a German-language pamphlet of the Situationist manifesto, “On the Poverty of Student Life: considered in its economic, political, psychological, sexual and particularly intellectual aspects, and a modest proposal for its remedy” (1966). Likewise, the title “Dress Rehearsal for the Revolution” (2019) alludes to the political mobilization of youth culture, real or imagined. ‘The Revolution’ was, on the one hand, a band assembled by Prince; here, however, the artist may be alluding to revolutions of any form. The work itself is an installation of five mannequins, posed as a schematic rock band. Since music has played an important part both in Miller’s personal life and in his oeuvre, perhaps here he offers a fantasy with which he identifies. In any event, this constellation of rigid yet humanized figures serves to return, but also direct, the gaze of expectant gallery-goers.
Also on display in the exhibition are works from Miller’s long-running photographic project “In the Middle of the Day” (1996 – present). On a day-to-day basis between the hours of 12 and 2 p.m. Miller photographs whatever milieu in which he may find himself. Most often he shoots urban space and the people in it. Miller first chose this period unaware that because midday light is typically harsh, traditional photographers consider it to be the worst time to shoot photographs. Miller’s resulting pictures capture a bland, quotidian existence, leavened with blasé sense of comedy.
Our collaboration with John Miller has had a decisive influence on the thinking and overall approach behind our gallery. It is therefore with great pleasure that, in cooperation with the Galerie Barbara Weiss, we now present this selection of works in our new gallery space in Berlin.
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Zu den wesentlichen Interessen des Künstlers John Miller gehört die Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung und dem Verständnis von Kunst sowie mit den heutigen Bedingungen ihrer Produktion und ihres Konsums. In seinen Werken beschäftigt er sich dabei häufig mit dem öffentlichen Raum, insbesondere mit den dort vorherrschenden Repräsentationsformen, die der Darstellung und Regulierung unterschiedlicher Identitäten dienen. Seit den Anfängen seiner künstlerischen Praxis verwendet Miller braune Farbe, Gold und Obstsorten als allegorische Tropen. Fototapeten, Globen, Fotos, Litfaßsäulen, als shaped paintings dargestellte PassantInnen sowie konventionelle Landschaftsbilder, Reality-TV-Sendungen und Gameshows sind bevorzugte Versatzstücke und Sujets. Nicht zuletzt stellen Schaufensterpuppen ein weiteres, häufig wiederkehrendes Gestaltungselement dar, das der Künstler als scheinbare Form der Wirklichkeit adaptiert. Gerade diese Figuren und der damit verbundene Themenkomplex stehen im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung Other Subjectivities, die parallel in der Galerie Meyer Riegger und einem temporären Ausstellungsraum der Galerie Barbara Weiss zu sehen ist.
Während bei Barbara Weiss zwei Videos – „What Is a Subject?” (2019) und „Deus ex Machina” (2019) – vorgeführt werden, wird in der Galerie Meyer Riegger das Video „A Place Called Hope” (2019) zusammen mit einer Installation und großformatigen Fotografien von Schaufensterpuppen gezeigt. Filme und Fotos gleichermaßen bewegen sich sowohl in Scheinwelten als auch in unserer Realität. Für John Miller sind Schaufensterpuppen lediglich anthropomorphisierte Verkaufsdisplays, die einen mitunter besorgniserregenden Grad an Identifikation hervorrufen. Statt das Exotisch-Fremdartige darstellen zu wollen, verschreibt sich Miller eher normativen Stilen und Szenarien. So präsentiert er emotionslose Surrogate als Projektionsflächen für die Assoziationen, die wir als BetrachterInnen wie auch als KonsumentInnen unmittelbar mit flüchtig-vergänglichen Trends und Moden verbinden. Diese Projektionen sind nicht nur populärkulturell geprägt, sondern sind auch geeignet, die aktuelle Lage der Kunstwelt innerhalb der Populärkultur zu verorten.
Das Werk „Poverty“ [Armut] (2018) zeigt die Schaufensterfigur eines Jungen, der einen weißen Dreiteiler trägt. Um den Hals des Jungen hängt ein Medaillon, zu seinen Füßen liegt eine deutschsprachige Fassung des Situationistischen Manifests „Über das Elend im Studentenmilieu – betrachtet unter seinen ökonomischen, politischen, sexuellen und besonders intellektuellen Aspekten und über einige Mittel, diesen abzuhelfen“ (1966). Auch der Titel der Installation „Dress Rehearsal for the Revolution“ [Generalprobe für die Revolution] (1966) nimmt Bezug auf das – reelle oder bloß eingebildete – politische Mobilisierungspotential der Jugendkultur. Als ‚The Revolution‘ trat einerseits die vom Sänger Prince gegründete Band auf, Miller spielt hier aber möglicherweise auf jegliche Art von Revolution an. Die Installation selbst besteht aus fünf Schaufensterpuppen, die als schematische Rock-Band aufgestellt sind. Da die Musik sowohl für Miller persönlich als auch in seinem Gesamtwerk eine wesentliche Rolle gespielt hat, könnte es sein, dass er hier eine Fantasievorstellung präsentiert, mit der er sich selbst identifiziert. Wie dem auch sei: Die starre, aber vermenschlichte Figurenkonstellation dient dazu, die Blicke der erwartungsvollen BetrachterInnen einerseits zu erwidern, andererseits aber auch in neue Bahnen zu lenken.
Ergänzend werden in der Ausstellung aktuelle Arbeiten aus Millers seit 1996 laufendem Fotoprojekt „In the Middle of the Day“ gezeigt. Hierfür fotografiert Miller täglich zwischen 12 und 14 Uhr seine jeweilige Umgebung, und zwar unabhängig davon, wo er sich aufhält. Meistens entstehen dabei Bilder des städtischen Raums und der dort agierenden Menschen. Als Miller sich ursprünglich für diese Tageszeit entschied, war er sich nicht bewusst, dass traditionelle Fotografen sie als denkbar ungünstig fürs Fotografieren betrachten, da das Mittagslicht gewöhnlich eher grell und harsch wirkt. Die resultierenden Aufnahmen fangen ein seichtes, unscheinbares Alltagsleben ein, das aber mit einem blasiert-abgeklärten Sinn für Komik angereichert ist.
Die Zusammenarbeit mit John Miller hat sowohl die Idee als auch das Konzept unserer Galerie entscheidend geprägt, und darum freuen wir uns, in Kooperation mit der Galerie Barbara Weiss diese Werkauswahl in unseren neuen Berliner Räumen zeigen zu können.
übersetzt von Richard Humphrey










