Ended Aug 15
Gili Tal
For the Sake of Those Who Would Discriminate Between Hallucinations
Jun 18 – Aug 15, 2020
[Please scroll down for German version / Für Deutsch bitte scrollen Sie nach unten]
I was going to write about how this is all about streets. And the way that new ones seem to just appear, as if from nowhere. Which they do, and always have. All that being as it may, I think it’s more about photography again, or particular genres of it, like the commercial ones from the world of real estate, which for that matter covers art exhibition photography as well, and the way that both of these deploy various dramatic tropes such as the recessive effects of vanishing points. Bourne of single-point perspective, techniques like this are also broadly familiar from the world of cinema, where a plunging view point effectively draws the viewer into the frame. But in terms of commercial photography, such means have at least one other convenient side-effect at their disposal, like the added value begot by the new-found sense of dynamism that’s now inhered in the picture.
Or failing that, at least what comes of the mere fact of a declaration, or communiqué, that it is indeed there to be found, even if you can’t quite make it out in terms of actual content.
Corridors have long been described as less spaces, more channels, of communication. On their way to somewhere else, people, things and messages pass through them, supposedly in both directions. Architectural theorist Mark Jarzombek has written at length on how from the 17th-century on the corridor became the organising structure of the modern large-scale edifice, public or private. Touching on notions of the ‘romance of connectivity’, he said that the corridor should be regarded as a ‘programme’ rather than a structure, since it ‘recodes’ the building which contains it with the terminology of couriered messages. In which case each opening off it might constitute an address, or even a url. This expectation of the acquisition of some kind of new knowledge upon finally crossing the desired threshold can’t help but imbue such spaces with a particular emotional latency, even if, or precisely when actually, its actual delivery is deferred because said threshold simply multiplies and becomes the next one along in the queue.
When I said this is more about commercial photography, it could be better to be specific and write about how it probably stemmed more from the latter kind that I mentioned, art exhibition photos, and looking at them online. Plucked out from their feed and spread out to appear en-masse, what presents itself in the end is a series of endless hallways. A panorama of frozen white interiors shot at achingly austere angles, their signalling that they want to transmit a piece of information outwards finds a gap where that information should be and leaves nothing much more than a roll-out of walls and slightly mournful perspectives. What is posed as an outward move reaches in. But then, corridors have always had a sort of tension at heart. Variously vaunted for both their utopian potential to connect, or opposite one for opening unto a private occluded world where before there was none, they’ve been given credence for their mysterious interplay of open and closed meanings [1]. It’s maybe possible for said interplay to keep on going. There’s been enough written on arcades etc and their bleeding of indoor and outdoor space, and what that does. But in terms of the reality, when looking down a new street just appeared, it’s hard not to notice that its traffic tends to be moving one way.
—G.T.
1 - I am referring to the transformation of domestic interior architecture that occurred across 18th-century Northern Europe, where the appearance of the corridor in the houses of the bourgeoisie meant that rather than traverse the house from one room to the next, tangential hallways now circumvented them to create a new kind of privacy for the affluent.
*****
Ich wollte darüber schreiben, dass es hier vor allem um Straßen geht. Und darum, dass neue einfach plötzlich auftauchen, wie aus dem Nichts. Was sie tun und immer getan haben. Wie dem auch sei, ich glaube, dass es doch wieder um Fotografie geht, um bestimmte Genres der Fotografie, wie die kommerzielle aus der Welt des Immobiliengeschäfts und damit auch um die Fotografie von Kunstausstellungen. Beide verwenden gewisse dramatische Figuren (Tropen) wie den nach rückwärts ziehenden Effekt von Fluchtpunkten. Techniken wie diese beruhen auf Monoperspektivität. Man kennt sie auch aus der Welt des Kinos, wo ein eintauchender Blick die Zuschauer mehr oder weniger in das Bild hineinholt. In der kommerziellen Fotografie haben diese Mittel einen weiteren Nebeneffekt, ein Mehrwert, der aus dem neu gefundenen Gespür für Dynamismus kommt, der dem Bild nun eigen ist. Wenn sie ihn nicht haben, dann bleibt zumindest das, was aus dem bloßen Umstand einer Deklaration oder eines Kommuniqués resultiert, nämlich dass man tatsächlich dort etwas finden könnte, auch wenn man den eigentlichen inhaltlichen Gehalt nicht so richtig ausmachen kann.
Von Korridoren hat man lange Zeit gesagt, sie wären nicht so sehr Räume der Kommunikation, als deren Kanäle. Menschen, Dinge und Botschaften durchqueren sie auf dem Weg an einen anderen Ort, in beide Richtungen. Der Architekturtheoretiker Mark Jarzombek hat ausführlich darüber geschrieben, wie der Korridor seit dem 17. Jahrhundert die Organisationsstruktur des modernen, groß angelegten, öffentlichen oder privaten Bauwerks wurde. Er sagte, dass der Korridor eher als ein “Programm” gesehen werden sollte und nicht als eine Struktur, und griff dabei Aspekte einer “Romanze mit der Konnektivität” (David Trotter “romance of connectivity”) auf. Der Korridor ist ein Programm, weil er das Gebäude, das ihn enthält, mit der Begrifflichkeit von Kuriernachrichten “recodiert”. Jede Öffnung auf seiner Erstreckung kann eine Adresse sein, oder sogar die URL einer Webseite. Mit einem Korridor geht die Erwartung einher, neues Wissen zu gewinnen, wenn man seinen Bereich durchquert. Unweigerlich werden solche Orte dadurch mit einer bestimmten emotionalen Latenz aufgeladen, auch, oder gerade wenn der Ertrag sich nicht sofort einstellt, weil der besagte Korridor nur einer von vielen ist und nur ein Teil in einer Reihe.
Als ich sagte, dass es um Genres der kommerziellen Fotografie geht, hätte ich besser spezifisch schreiben sollen, dass es hier doch mehr um die an zweiter Stelle erwähnten Fotografien von Kunstausstellungen geht, und darum diese online anzusehen. Aus ihrem Feed herausgelöst und in massenhaften Anordnungen dargeboten, zeigen sie nichts anderes als eine Reihe endloser Flure. Ein Panorama eingefrorener weißer Räume, aufgenommen aus schmerzhaft kargen Blickwinkeln, signalisieren sie, dass sie ein Stück Information nach außen übermitteln wollen. Aber dort, wo diese Information sein sollte, tut sich eine Lücke auf. Alles, was bleibt, sind eine Anzahl von Wänden und leicht betrübliche Perspektiven. Was wie eine Geste der Öffnung nach außen erscheint, führt tatsächlich nach innen. Aber Korridoren war immer schon eine Art innerer Spannung zu eigen. Sie wurden für ihr utopisches Potential gepriesen, Verbindungen herzustellen, aber man schrieb ihnen auch zu, dass sie Öffnungen in private, verschlossene Welten darstellten, wo es davor keine solchen Welten gegeben hatte [1]. So hielt man ihnen ein geheimnisvolles Wechselspiel zwischen offenen und geschlossenen Bedeutungen
zugute. Es kann sein, dass dieses Wechselspiel sich fortsetzt. Über Arkaden, die Innen- und Außenräume ineinander übergehen lassen, wurde jede Menge geschrieben. Wenn in der Wirklichkeit aber einfach eine neue Straße auftaucht, kommt man nicht darum herum, zu bemerken, dass der Verkehr darauf tendenziell nur in eine Richtung führt.
—G.T.
1 - Ich spreche von der Veränderung in der Architektur von Innenräumen, die sich in Nordeuropa im 18. Jahrhundert vollzog. Das Auftauchen von Korridoren in den Häusern der Bourgeoisie bedeutete, dass das Haus nun nicht mehr in einer Abfolge von Räumen durchquert wurde, sondern dass es tangentiale Flure gab, die für die Wohlhabenden eine neue Form von Privatheit ermöglichten.










