Monika Maurer-Morgenstern

Ended

Monika Maurer-Morgenstern

Works from 5 Decades

Oct 31 – Dec 20, 2025

Monika Maurer-Morgenstern arbeitet seit Jahrzehnten an einer eigenen Bildsprache, die Erinnerungsfragmente, mythische Szenen und alltägliche Gesten in einem feinen, farblich nuancierten Register zusammenführt. Ihre Blätter sind zugleich erzählend und assoziativ: Figuren erscheinen, verschwimmen, schreiben sich fort; Farben lagern sich über Linien, als würden Bild und Schrift einander abtasten. Auffällig ist dabei eine technisch-formale Entscheidung: Maurer-Morgenstern setzt ihre beiden Hände gleichzeitig ein – sie zeichnet und schreibt simultan, links und rechts, oft so, dass eine der beiden Handschriften in Spiegelschrift verläuft. Das Ergebnis sind Zeichnungen, in denen Linien und Handschrift nicht nur neben-, sondern durch-und ineinander liegen; Schreibspur und Kontur verweisen auf zwei gleichzeitige Denk- und Handlungsstränge.

Diese doppelte Handarbeit ist keine Effekthascherei. Vielmehr handelt es sich um ein taktiles Erkundungsverfahren: die Hand als Sensor, als Spurensucherin. In einem solchen Vorgehen verschiebt sich der Blick von der bloßen Abbildung hin zu einer Erfahrung des Prozesshaften – das Blatt zeigt nicht nur ein Bild, sondern die Spur seiner Entstehung.

Viele ihrer Motive entstehen zunächst aus dem Unbewussten – aus dem, was sie selbst einmal »Angstbilder, Traumbilder oder Wunschbilder« genannt hat. Um diesen inneren Bildern eine Gestalt zu geben, arbeitet Maurer-Morgenstern oft mit geschlossenen Augen und beidhändig. In diesem Moment geht es weniger um Kontrolle als um das Zulassen, um ein Öffnen der Wahrnehmung nach innen. Erst im weiteren Verlauf tritt das bewusste Sehen hinzu: sie überarbeitet ihre Blätter, präzisiert Linien, verdichtet Formen. So verbindet sich in ihren Arbeiten das spontane Entstehen und das nachträgliche Ordnen – ein Dialog zwischen Intuition und Reflexion, zwischen dem tastenden Anfang und der bewussten Entscheidung.

Ein spezifischer Fokus der Ausstellung liegt auf Werkserien, die alle in Beziehung zu anderen Personen entstanden sind – als bildnerische Korrespondenzen, als Annäherungen, als Erinnerungsräume. Zu sehen sind Arbeiten, die sich auf Verena Stefan beziehen, mit der Maurer-Morgenstern in den 1990er Jahren gut bekannt war; Stefan wurde mit ihrem feministischen Roman Häutungen (1975) zu einer prägenden Stimme ihrer Generation. Eine weitere Serie widmet sich dem belgischen Schauspieler Frédéric Leidgens und findet ihren Ausdruck in der 48-teiligen Folge Ich fahre nach Paris, in der sich die Künstlerin auf ihren Besuch bei Leidgens freut, der damals in Paris lebte. Daneben stehen Radierungen zu Pier Paolo Pasolini und Virginia Woolf – letztere inspiriert von der Lektüre des Buches Virginia Woolf. Die Auswirkungen sexuellen Missbrauchs auf ihr Leben und Werk. In all diesen Zyklen verknüpfen sich persönliche Begegnung, künstlerische Verehrung und innere Spiegelung zu einem vielstimmigen, zutiefst menschlichen Resonanzraum.

Monika Maurer-Morgenstern, 1942 in Leipzig geboren, lebt seit 2012 in Berlin.

Bereits als kleines Kind erhält sie eine intensive Förderung in künstlerischer Praxis im Lehrhort der Henriette-Goldschmidt-Schule in Leipzig. Die Familie übersiedelt in den Westen, zuerst nach Stuttgart, dann nach Konstanz, wo Maurer-Morgenstern 1962 ihr Abitur ablegt. Sie studiert an der Pädagogischen Hochschule in Esslingen mit einem Schwerpunkt auf Malerei. Anschließend arbeitet sie bis 1968 in Stuttgart als Lehrerin. 1968 Umzug nach München. Ab 1969 intensiviert sie ihre künstlerische Tätigkeit. 1986 richtet das Münchener Stadtmuseum ihre erste Einzelausstellungen aus. Wichtige Impulse erhält sie zwischen 1989 und 2006 im Rahmen der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg u. a. von Leon Golub, Leiko Ikemura und Nancy Spero.

Zuletzt zeigte die Achim Freyer Stiftung 2025 in Berlin die Künstlerin in der Einzelausstellung Szenen auf Papier, kuratiert von Johannes Odenthal und Sabine Bayer.

Werke von Monika Maurer-Morgenstern befinden sich in den folgenden Sammlungen: Staatsgalerie Stuttgart, Berlinische Galerie, Stadtmuseum Berlin, Kupferstichkabinett Basel, museum kunstpalast Düsseldorf, Stadthistorisches Museum Leipzig, Staatliche graphische Sammlung München.

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