Ended

Max Frey

Espuma

Sep 15 – Oct 6, 2017

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A foam cannon shoots white foam into the gallery space. The foam covers the floor, piles up, flies through the air and sticks to the walls.

Foam is a mass of tiny gaseous bubbles. Surfactants, which have a water-loving and a water-repellent end, organise themselves on contact with water so that the hydrophobic side does not come into contact with the water. Foam bubbles are created, protected by fragile fluid walls which also separate them from one another – walls whose existence is only temporary. Gravity slowly pulls the liquid between the bubbles downwards, so that the walls become ever thinner until they ultimately collapse.

The foam – this continually growing mass which in turn is already folding in on itself – increasingly takes over the gallery space. Visitors can only look on from the outside through the large gallery window as the foamy mass moves within the gallery space, expands, disintegrates, seeps under the door crack and slowly makes its way into the outside world.

Max Frey‘s works often bring to mind laboratory experiments. The materials and set-up of his experiments however are very minimal and seemingly simple. As indeed here: a barrel with soapy solution, a foam cannon with a nozzle and meshing, and the gallery space. At frst glance, one is not sure if there is any artistic intention at all. Has there been an accident? Has something gone out of control? A closer look reveals however, a surprising transformation. Something emerges from the rudimentary set-up, the supposed accident, something which is surprising, confusing, absorbing, perhaps a poetic moment. A slightly sinister feeling may even creep over you as the foam becomes an autonomous creature.

It is, as Michael Schwarz aptly put it when describing the 2012 work „Großen Klappe“, the disposition of the viewer which determines the interpretation [1]. Max Frey‘s works are performative at a fundamental level. Things and objects are set in motion by the artist, but it is only on their reception that a narrative emerges. A possible – but not compulsory – association is the term „Espuma“ from the title of the show. The Spanish word for foam reminds the culinarily inclined viewer of the appetizing foam from molecular cuisine. Equally, it can simply evoke the memory of soapy bubbles, which we observed as children in the bath and wondered what would happen if the foam just kept growing...

The foam disintegrates and ultimately becomes a fluid soapy solution once again. The work exists only in a fleeting moment. For Frey the object too is radically performative. It is a mass but at the same time unstable: it is the chemico-physical process of foam.

Julia Connert

1 cf.: Michael Schwarz, Transformation von Material und Licht im Werk von Max Frey

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Eine Schaumkanone bläst weißen Schaum in den Galerieraum. Der Schaum bedeckt den Boden, türmt sich auf, fliegt durch die Luft, bleibt an den Wänden haften.

Schaum ist eine Masse aus vielen kleinen gasförmigen Bläschen. Tenside, die ein wasserliebendes und einem wasserabstoßendes Ende haben, ordnen sich bei Kontakt mit Wasser so an, dass ihre hydrophobe Seite möglichst nicht mit dem Wasser in Berührung kommt. Es entstehen Schaumbläschen, die von fragilen, flüssigen Wänden umgeben und voneinander getrennt sind – Wände mit nur einer begrenzten Lebensdauer. Die Schwerkraft lässt die Flüssigkeit zwischen den Schaumbläschen langsam nach unten fließen, die Wand wird immer dünner, bis sie schließlich zerreißt. Der Schaum – diese kontinuierlich wachsende und dabei bereits schon wieder in sich zusammenfallende Masse – okkupiert zunehmend den Galerieraum. Das Publikum kann schließlich nur noch von außen durch das große Schaufenster sehen, wie sich die schaumige Masse im inneren der Galerie bewegt, wächst, zerfällt, unter dem Türschlitz durchdringt, langsam in den Außenraum wandert.

Max Freys künstlerische Arbeiten erinnern oft an Laborexperimente. Die dabei zum Einsatz kommenden Materialien und Versuchsanordnungen sind allerdings sehr minimalistisch und scheinbar simpel. So auch hier: ein Fass mit Seifenlauge, eine Schaumkanone mit Düse und Netz, der Galerieraum. Ein erster Blick mag gar Unsicherheit über den Kunststatus der Situation hervorrufen. Handelt es sich um einen Unfall? Ist etwas aus der Kontrolle geraten? Beim zweiten Hinsehen kommt es jedoch zur überraschenden Transformation. Aus der spröden Versuchsanordnung, dem vermuteten Unfall, entsteht etwas, das überrascht, irritiert, die Aufmerksamkeit bannt, vielleicht ein poetischer Moment. Möglicherweise beschleicht einen aber auch ein Gefühl des Unheimlichen. Der Schaum wird zum autonomen Wesen.

Es ist, wie Michael Schwarz treffend am Beispiel der „Großen Klappe“, einer Arbeit aus dem Jahr 2012, beschreibt, die Disposition der Betrachtenden, welche die Lesart bestimmt1. Die Arbeiten von Max Frey funktionieren auf einer sehr grundlegenden Ebene performativ. Dinge und Objekte werden vom Künstler in Bewegung versetzt, doch erst in der Rezeption entsteht die Erzählung dazu. Eine mögliche – aber nicht zwingende – Assoziation ist der titelgebende Begriff des „Espuma“. Das spanische Wort für Schaum erinnert den kulinarisch versierten Betrachter an den genussvollen Schaum der Molekularküche. Es kann aber auch einfach die Erinnerung an Seifenschaum wach werden, den wir als Kinder in der Badewanne beobachtet und uns gefragt haben, was wohl passiert, wenn der Schaum einfach immer weiter wächst... Der Schaum zerfällt und wird allmählich wieder zur flüssigen Lauge. Die Arbeit existiert nur im flüchtigen Moment. Auch das Objekt ist bei Frey radikal performativ. Es ist Masse und doch instabil: es ist der chemisch-physikalische Prozess des Schaums.

Julia Connert

1 Vgl.: Michael Schwarz, Transformation von Material und Licht im Werk von Max Frey