Ended
Tim Greaves & Mufed Tapany
Bahar
Oct 20 – Nov 10, 2017
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Mufed Tapany, 21-year-old Yezidi refugee from Iraq, escaped ISIS massacres and destruction and arrived in Berlin in 2015 after months of travelling through the Middle East and Europe . Carrying with him little more than the 21st century version of the items listed in Günter Eich’s famous “Inventory”, he was accommodated in a gym which sheltered hundreds of other refugees from a broad variety of backgrounds. Some of the wood displayed in this exhibition was part of Mufed’s bunk bed in that gym. He inscribed it, using a ballpoint pen – as if to create his own space, in a place where privacy is limited to one’s dreams, thoughts and unfulfilled wishes.
In spite of the overcrowded rooms and the difficulties which arose from the involuntary situation of living together with masses of people – all strangers among strangers like Mufed – his memories of the two shelters he stayed in before moving to a shared apartment are predominantly positive. “When we left the gym, we felt that we missed each other: sitting together, smoking shisha or cigarettes, chatting and telling stories”, Mufed explains. And he reminisces about sitting in a circle with other refugees and Berliners in music sessions entitled “EveryoneSong”, which were offered by Maha Alusi, a Berlin-based artist from Iraq.
Seeking a medium to express this positive experience, Mufed, together with Tim Greaves, a Berlin-based artist from the UK, and the gallerist Leslie Frey, developed the idea to create an artwork that referenced interiors and would provide a space for encounters between people. The art installation that has come out of this cooperation reflects the sense of belonging which is not so much connected to places or objects, as it is to shared time, activities and memories.
The semi-permanent structures dividing the exhibition space encourage closer interactions with others, while also allowing room for individual reflection. The white tent evokes memories of shelters and refugee registration offices, where such tents are erected to protect queues of immigrants from unpleasant weather, and also of middle class barbecue parties. The fish tanks contain products of shared experiences: objects created in art workshops, in which Tim and Mufed worked together with other artists, items from a previous installation by Maha Alusi, and ferns. The latter were the object of a craze, known as Pteridomania or Fern-Fever, in 19th century Victorian England. Collected in the wild and often kept in glass-fronted cases, this common interest sometimes brought people of very different social backgrounds together.
Indeed, of equal importance as the objects included in the installation are the workshops that took place prior to the exhibition and the events accompanying the exhibition. Along with dealing with the topics of migration and belonging, poetry readings, workshops, discussions and a speed-dating with different-minded people in the exhibition space aim not only to entertain or educate visitors, but instead to enable encounters between strangers and produce shared experiences. The events are therefore an integral part of the installation.
Far from romanticizing living conditions in refugee shelters, the “Bahar” exhibition (bahar = Kurdish/Persian/Turkish for spring) tells the story of a new beginning. It celebrates friendship and the beauty that lies not in the things themselves, but in the glimpses of happiness they may remind us of.
Text: Stefan Maneval
Collaborative project:
Tim Greaves
Mufed Tapany
With participation by:
Osamah Abouzor, Raghad Alrez, Maha Alusi, Leslie Frey, Christopher Rollen, Flora Whiteley
Accompanying program:
Majid Albunni, Sawsan Alzouhaily, Gregory Carlock, Eva Dingel, Abir Gattas, Sarah Hartmann, Stefan Maneval, Mohammed Nazari, Zarah Nazari, Gal Rachmann
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Mufed Tapany, 21-jähriger Jeside aus dem Irak, konnte Massakern und Zerstörung des IS entkommen und erreichte im Jahr 2015 nach einer monatelangen Flucht Berlin. Mit sich trug er wenig mehr als die Dinge, die Günter Eich in seiner berühmten „Inventur“ auflistet – in der Version des 21. Jahrhunderts. Seine erste Unterkunft war eine Turnhalle, die er mit Hunderten von Flüchtlingen unterschiedlicher Herkunft teilte. Einige Teile seines Doppelstockbetts aus der Turnhalle sind in der Ausstellung zu sehen. Mufed hat mit einem Kugelschreiber darauf geschrieben – und sich dadurch an einem Ort, an dem die Privatsphäre auf Träume, Gedanken und unerfüllte Wünsche beschränkt ist, gleichsam einen eigenen Raum geschaffen.
Trotz der überfüllten Räume und der Schwierigkeiten, die sich aus dem unfreiwilligen Zusammenleben mit unzähligen anderen Menschen – lauter Fremden unter Fremden wie Mufed – ergaben, sind seine Erinnerungen an die beiden Notunterkünfte, in denen er nacheinander wohnte, überwiegend positiv. „Als wir die Turnhalle verließen, merkten wir, dass wir uns gegenseitig vermissten: das beisammen Sitzen, gemeinsam Shisha oder Zigarette zu rauchen, sich zu unterhalten und Geschichten zu erzählen“, berichtet Mufed. Ebenfalls in guter Erinnerung behalten hat er die von Maha Alusi angebotenen Musik- Sessions „EveryoneSong“. Die Berliner Künstlerin irakischen Ursprungs brachte Menschen aus Berlin mit Geflüchteten zusammen, um gemeinsam Musik zu hören und Geschichten dazu zu teilen.
Auf der Suche nach einem Medium, um diese positiven Erfahrungen auszudrücken, entwickelte Mufed zusammen mit Tim Greaves, einem in Berlin lebendem Künstler aus England, und der Galeristin Leslie Frey die Idee, eine Kunstinstallation zu schaffen. Diese sollte auf Innenräume verweisen und eine Begegnung zwischen Menschen ermöglichen. Die Installation, die aus dieser Zusammenarbeit hervorging, reflektiert das Gefühl der Zugehörigkeit, das weniger an Orte oder Objekte gebunden ist als an gemeinsame Erlebnisse, geteilte Zeit und Erinnerungen.
Halbdurchlässige Strukturen teilen den Ausstellungsraum in kleinere Einheiten. Dadurch werden die Menschen im Raum dazu veranlasst, den Abstand zwischen einander zu verringern, während andererseits Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden. Das weiße Zelt weckt Assoziationen an Meldestellen, vor denen solche Zelte aufgebaut wurden, um die vielen wartenden Geflüchteten vor Sonne und Regen zu schützen.
Zugleich lässt es an Grillparties der Mittelschicht denken. Des weiteren gehören Glaskästen zur Installation, die die Produkte gemeinsamer Aktivitäten enthalten: Gegenstände, die Tim und Mufed mit anderen Künstler_innen in Kunstworkshops hergestellt haben, Elemente einer früheren Kunstinstallation von Maha Alusi, und Farne. Letztere waren im England des 19. Jahrhunderts hoch begehrte Sammelobjekte, die in Wäldern gesammelt und in Glaskästen kultiviert wurden. Das als Pteridomania bekannte Farnsammelfieber erfasste Menschen unterschiedlicher sozialer Hintergründe und vermochte es mitunter, sie in Kontakt miteinander zu bringen.
Von gleicher Bedeutung wie die Ausstellungsobjekte sind die Workshops, die in der Vorbereitungsphase stattfanden, sowie die Begleitveranstaltungen. Diese behandeln die Themen der Migration und der Zugehörigkeit, zielen allerdings weniger darauf ab, die Besucher zu bilden oder zu unterhalten, als gemeinsame Erfahrungen zu ermöglichen und dadurch Menschen zu verbinden. In diesem Sinne ist das Begleitprogramm ein integraler Bestandteil der Installation.
Weit davon entfernt, die Lebensbedingungen in Notaufnahmen und Sammelunterkünften für Flüchtlinge zu romantisieren, erzählt die Ausstellung „Bahar“ (Kurdisch/Persisch/Türkisch für Frühling) die Geschichte eines Neuanfangs. Sie feiert die Freundschaft und die Schönheit, die nicht so sehr in den Dingen selbst zu suchen ist wie in den Momenten des Glücks, an das uns diese Dinge erinnern.
Text: Stefan Maneval
Projektverantwortliche:
Tim Greaves
Mufed Tapany
Mitwirkende:
Osamah Abouzor, Raghad Alrez, Maha Alusi, Leslie Frey, Christopher Rollen, Flora Whiteley
Begleitprogramm:
Majdi Albunni, Sawsan Alzouhaily, Gregory Carlock, Eva Dingel, Abir Ghattas, Sarah Hartmann, Stefan Maneval, Mohammed Nazari, Zarah Nazari, Gal Rachmann