Ended Jan 20
Dennis Buck
Sweaty Self
Nov 24, 2023 – Jan 20, 2024
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What is the difference between sweat and tears? At first glance, the body fluids are similar. In both cases it is salty water that, in certain situations, leaks from the inside of the body to the outside through holes in the skin, which (as I remember from biology class) is a semi-permeable membrane. The situations in which saltwater leaves our pores or eyes are varied – but miraculously, the exit of these similar and yet so different liquids is often emotionally motivated. There is sweat of fear, sweat of pleasure, sauna sweat and athletic sweat, just as there are tears of sadness, pain, or sentimentality. And, not too rarely, it is a complex mixture of all these emotions, stored in the fluid that is released to cool down the body.
In his exhibition Sweaty Self, Dennis Buck deals with memories that are as touching as they are painful – because that is what makes life lived, that these poles are often closely interwoven, sometimes indistinguishable. Just as it is the memories themselves that remain blurred and only gain clarity when narrated with a counterpart – only to become obscure again in repetition. With each re-telling, another layer is added to the memory until it is unclear what is the “original” and what is the adaptation. A kind of ongoing “Silent Post” (or „Chinese Whispers“) game with yourself.
In the case of Sweaty Self, the counterpart is the viewer. And this is confronted with the incompleteness of a biographical narrative – moments of a life appear before us on the canvas in a way that they cannot in language, in all of their rawness.
Because, “raw”, are often the stories that life writes when you experience it in all its immediacy. The fears, anxieties and seeming hopelessness are real in the moment itself – they only become a tragicomic anecdote when they are told at a distance in time, until the story has dramaturgically filed itself away. So, it is not the experience itself that makes you laugh, but the narration of it, the processing – and the amused reaction, the laughter, of the third party, the listener. And yet these stories remain particularly touching precisely because of their abysmal quality that appears within the mundane. The anecdotes need the genuine pain that is hidden within them in order to move their recipients, i.e. their listeners and viewers. Because it is precisely the tragedy that seems to interest all of us, in an almost voyeuristic manner.
Perhaps this is the reason why we can hardly look away from Dennis Buck’s works, which appear to us as both weeping and sweating canvases – all seemingly contradictory emotions are equally preserved in them and are brought back to life when we look at them. The canvases are animated, declared to be something soulful.
“I wrote my first poem in the rain” is the title of one of them, which is not shown in Sweaty Self, but which represents a key moment. The works, as well as the sentences on them, create a strong imagination that is so individually specific, so intimately charged, that we briefly lose ourselves in it. The internal image is stronger than a picture could be because it is filled with our own stories, our blurred memories. The Sisyphean labor, the dedication to the futile, is stored in the fading writing. And yet, as Camus writes, Sisyphus is “the happiest person in the world” – because he always has a project. Accepting the infinite incompleteness eases of their actions the individual.
There’s a species of moth that feeds on the tears that birds cry in their sleep. In Sweaty Self, we ourselves become this species, nourishing ourselves with the tragicomic moments of the biography of another, the artist Dennis Buck, and wallowing a little in the mishaps that could have happened to all of us. Even more: identification becomes essential, we feast on the sad stories, on the courageously shared shame of another.
But what would it be like if tears smelled – and sweat didn’t? And what about Dennis Buck so-called “underwater sweat”?
—Olga Hohmann
*****
Was unterscheidet eigentlich Schweiß von Tränen? Denn: Auf den ersten Blick sind sich die Körperflüssigkeiten ähnlich. In beiden Fällen handelt es sich um salziges Wasser, das, in bestimmten Situationen, vom Inneren des Körpers nach Außen tritt, durch Löcher in der Haut, die (so erinnere ich mich aus dem Biologieunterricht) eine semipermeable Membran ist. Die Situationen, in denen das Salzwasser unsere Poren oder Augen verlässt, sind vielgestaltig – aber wundersamerweise ist der Austritt jener so ähnlichen und doch so unterschiedlichen Flüssigkeiten, häufig emotional begründet. Es gibt Angstschweiß, Lustschweiß, Saunaschweiß und athletischen Schweiß, ebenso wie es Tränen der Trauer, des Schmerzes oder der Rührung gibt. Und, nicht allzu selten, handelt es sich um eine komplexe Mischung all dieser Emotionen, gespeichert in der, eigentlich zur Abkühlung des Körpers ausgeschütteten, Flüssigkeit.
Dennis Buck beschäftigt sich in seiner Ausstellung Sweaty Self mit Erinnerungen, die ebenso rührend wie schmerzhaft sind – denn, das macht das gelebte Leben ja aus, dass diese Pole häufig eng miteinander verwoben sind, ununterscheidbar manchmal. Ebenso wie es die Erinnerungen selbst sind, die verschwommen bleiben und erst in der Narration mit einem Gegenüber Klarheit erlangen – um sich dann, in der Wiederholung, erneut selbst zu verschleiern. Mit jedem Wieder-Erzählen wird der Erinnerung eine weitere Ebene hinzugefügt, bis unklar ist, was eigentlich das „Original“-, und was die Aufbereitung ist. Eine Art fortlaufendes „Stille Post“ Spiel mit sich selbst.
Das Gegenüber ist, in Falle von Sweaty Self, die Betrachter:in. Und diese ist konfrontiert mit der Unabgeschlossenheit einer Biographischen Narration – Momente eines Lebens treten uns auf den Leinwänden, wie sie das in der Sprache nicht können, in aller Rohheit gegenüber.
Denn, „roh“, sind häufig ja die Geschichten, die das Leben schreibt, wenn man es, in aller Unmittelbarkeit, erfährt. Die Ängste, Beklemmungen und scheinbaren Ausweglosigkeiten sind im Moment selbst real - zu einer tragikomischen Anekdote werden sie erst dann, wenn man sie, in zeitlicher Distanz, erzählt, bis die Geschichte sich selbst dramaturgisch (aus)gefeilt hat. Es ist also nicht die Erfahrung selbst, die einen zum Lachen bringt, sondern die Erzählung von ihr, die Aufbereitung – und die belustigte Reaktion, das Lachen, der Dritten. Und doch bleiben diese Geschichten gerade in ihrer alltäglichen Abgründigkeit besonders rührend. Die Anekdoten brauchen den echten Schmerz, der in ihnen versteckt ist, um ihre Rezipient:innen, das heißt, ihre Zuhörer:innen und Betrachter:innen, bewegen zu können. Denn es ist eben genau das Tragische, das uns alle, in fast voyeuristischer Manier, zu interessieren scheint.
Vielleicht ist das der Grund dafür, dass wir kaum wegschauen können, von Dennis Bucks Arbeiten, die uns sowohl als weinende als auch als schwitzende Leinwände erscheinen – alle scheinbar gegensätzlichen Emotionen sind in ihnen gleichermaßen konserviert und werden, im Betrachten, erneut zum Leben erweckt. Die Leinwände werden animiert, zu etwas Beseeltem erklärt.
„I wrote my first poem in the rain“ heißt eine von ihnen, die zwar in Sweaty Self nicht zu sehen ist, die aber einen Schlüsselmoment darstellt. Die Arbeiten, ebenso wie die auf ihnen verlaufenden Sätze, erzeugen eine starke Imagination, die so individuell spezifisch, so intim aufgeladen wird, dass wir uns kurz in ihr verlieren. Das innere Bild ist stärker als eine Abbildung es sein könnte, denn es wird mit den eigenen Geschichten, den verschwommenen Erinnerungen gefüllt. Die Sisyphosarbeit, die Hingabe zum Vergeblichen, ist in der verlaufenen Schrift gespeichert. Und doch, so schreibt Camus, ist Sisyphos „der glücklichste Mensch der Welt“ – denn er hat immer etwas zu tun. Die Akzeptanz des Unvollendeten erleichtert das Individuum.
Es gibt eine Motten-Art, die sich von den Tränen ernähren, die Vögel im Schlaf weinen. In Sweaty Self werden wir selbst zu dieser Spezies, die sich von den tragikomischen Momenten der Biografie eines anderen, des Künstlers Dennis Buck, ernährt und sich ein kleines bisschen in den Missgeschicken suhlt, die uns allen hätten unterlaufen können. Mehr noch: Die Identifikation wird lebensnotwendig, wir laben uns an den traurigen Geschichten, an der mutig geteilten Scham eines anderen.
Aber: Wie wäre es, wenn Tränen stinken würden – und Schweiß nicht? Und was ist eigentlich mit dem, wie Dennis Buck eine seiner Arbeiten nennt, „Underwater Sweat“?











