Ended Oct 17
Ugo Rondinone
Nuns + Monks
Sep 9 – Oct 17, 2020
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Nuns + Monks is an exhibition of new sculptures by Ugo Rondinone at Esther Schipper, Berlin.
Stones have been a presence and recurring material and symbol in Ugo Rondinone’s art. They are the subjects of the stone figures that he began with the monumental Human Nature installation at the Rockefeller Plaza in 2013 followed by Seven Magic Mountains in the Nevada Desert in 2016. Both groups are the study and enjoyment of naturally formed stones as objects of beauty and contemplation, and in turn generate personal, meditative states of looking in which the boundaries between the outside world and internally visualized spaces break down. In doing so, Rondinone makes sculptures of what it means and feels like to see, whether this is understood to be a physical or metaphysical phenomenon.
Nuns + Monks will continue to address the dual reflection between the inner self and the natural world. Just as the external world one sees is inseparable from the internal structures of oneself, Nuns + Monks allows such layers of signification to come in and out of focus, prompting the viewer to revel in the pure sensory experience of color, form and mass while simultaneously engender in an altogether contemporary version of the sublime.
On this occasion, Rondinone’s Nuns + Monks will be on view in a space adjacent to the gallery. Concurrently Galerie Eva Presenhuber, Zurich and Gavin Brown’s Enterprise, Rome will also present sculptures from the same body of work. A fully illustrated catalogue will be produced for the three exhibitions.
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Die neuen Skulpturen von Ugo Rondinone, Nuns + Monks schreiben eine Erzählung fort, die der Künstler vor zweiunddreißig Jahren begonnen hat. Die Kapitel, aus der sie besteht, folgen einem Verlauf, auf dessen Bahn sie im Zeichen von intertextuellen Eingaben, Hin- und Herbewegungen, Residuen, Verschiebungen, Neuerfindungen von Formen und Haltungen oder ständig aufs Neue verhandelten Fragestellungen einander immer wieder antworten. Diese Erzählung begann ursprünglich 1988 mit dem AIDS-Tod von Manfred Kirchner, dem damaligen Partner von Ugo Rondinone. „Mitten in der AIDS-Krise wandte ich mich von der Trauer ab und fand in der Natur eine spirituelle Leitplanke für Trost, Regeneration und Inspiration. In der Natur betritt man einen Raum, wo das Heilige und das Profane, das Mystische und das Weltliche gegeneinander schwingen.“ In Tinte auf Papier malte er Landschaften mit romantischen Anklängen, die er zunächst im Kunstmuseum Luzern, dann auf einigen weiteren Ausstellungen, insbesondere in der Zürcher Galerie Walcheturm, zeigte. Sie alle folgten einer Bedingung, nämlich in geschlossenen Räumen mit Holzbrettern zugenagelten Fenstern angebracht zu werden, „abgeschnitten von der Welt“ und in sich gekehrt. Die Landschaftsbildern eigene Öffnung zur Natur wurde also ausbalanciert durch ein zur Innenschau geeignetes Gefühl von Eingeschlossenheit. Und damit eine spirituelle Einkehr, die sich in vielen zukünftigen Arbeiten fortsetzen sollte, wie zum Beispiel im Selbstporträt des Künstlers (Heyday), das von Joris Karl Huysmans und dessen einsiedlerischer Figur Jean des Esseintes angeregt ist und 1995 im Rahmen der Ausstellung Cry me a river, erneut in Zürich, gezeigt wurde. Seiner anfänglichen Funktion zurückgegeben, war das Fenster der Galerie Walcheturm darin wieder sichtbar. Ihm vorgelagert war eine braun angemalte Verdoppelung der Fensteröffnung als Bühnenkulisse, durch die man von außen die Selbstdarstellung des Künstlers als passive Gestalt sehen konnte. Die Beziehungen zwischen dem Inhalt und dem Behältnis, dem Werk und seinem Gefäß, entsprachen folglich einem umgekehrten antagonistischen Prinzip. Letztlich aber einem hierzu äquivalenten labilen Gleichgewicht, aus dem heraus sich fortan die Spiritualität entfaltet, die der Künstler in den unterschiedlichen Kapiteln der laufenden Erzählung durchdeklinieren wird.
In den Skulpturen von Nuns + Monks kommt sie nun abermals zum Ausdruck, die Dialektik von Innen und Außen. Von Öffnung zur Welt und Einkehr. Von einem introspektiven Blick im Zusammenspiel mit einer Außenwelt, die durchlässig ist für die Elemente der Natur. Rondinones Werke oszillieren seit je zwischen den beiden Extremen, sie dicht miteinander zu verschränken und sie in die Schwebe zu rücken. Aufzuheben. Die Skulpturen Nuns + Monks bieten sich dar in ihrer urwüchsigen Schönheit. Einer „archaischen‟ Schönheit, die an zwei weitere Werkgruppen des Künstlers denken lässt: die rohen Steinfiguren Human Nature im Rockefeller Plaza 2013 und die neonfarbigen Steinberge Seven Magic Mountains in der Wüste von Nevada 2016. Sie bezeugen eine Sichtbarkeit und vermitteln uns gleichzeitig den Eindruck, sich dem Blick derer zu entziehen, denen sie sich aussetzen. Ihre Gesichtszüge sind undeutlich. Auch ist im Zeitalter der vervielfachten Sexualität ihre Geschlechtszugehörigkeit geleugnet, selbst wenn sie anhand der Titel unterschieden werden können. Tatsächlich hätte man größte Mühe, nuns und monks aufgrund ihres bloßen Aussehens auseinanderzuhalten. In ihre schützenden Tücher gehüllt, wirken sie, wie das Selbstporträt von 1995 und die Clowns und die Akte, die ihm folgten, gleichsam absorbiert – in der Bedeutung, die Diderot im Sinn hatte, als er an Figuren in bestimmten Bildern Chardins dachte. Absorbiert von was? Von wem? Von den rund um sie wandelnden Betrachtenden? Vom architektonischen Raum, die ihnen als Dekor einer paradoxerweise starren Choreografie dient? Es sei denn, und das ist ausgesprochen wahrscheinlich, der fragliche Raum ist ein mentaler. Meditativ. Die Materie transzendierend, die doch ihre Schwere auszumachen scheint. Mehr noch als transzendiert, könnte man sagen, ist die Materie der Nuns + Monks transfiguriert oder verklärt, denn ein Glanz scheint in ihr auf, der verstärkt wird durch die Farbkontraste, die Zusammenfügung der verschiedenen Körperpartien – Kopf und Tuch – sowie die Harmonie, die zwischen den aufeinander abgestimmten Skulpturen entsteht. Ein Glanz, der auch an die Statuarik das Mittelaltes im Dienst eben jenes religiösen und spirituellen Gedankens erinnert, dem der Künstler sehr verbunden ist. Hierzu sei erläutert, dass in die Gestaltung dieser Werke Rondinones regelmäßige Besuche in den Abteilungen für mittelalterliche Bildhauerei im New Yorker Metropolitan Museum eingeflossen sind – ebenso wie die Auseinandersetzung mit den Kardinälen von Giacomo Manzú, deren „phasenverschobene‟ und von einer Zeiten und Kategorisierungen trotzenden Klassik geprägte Modernität auf das Interesse des Künstlers treffen musste.
Zwischen Materie und ihrer Negation besiedeln diese Skulpturen ein polarisiertes, amphibologisches Feld. In Bronze, sind sie gleichwohl aus Kalksteinmodellen entstanden, die gescannt und mit digitalen Werkzeugen in die Dreidimensionalität übertragen wurden. Dem bröckeligen Kalk steht die Solidität der Bronze entgegen. Dem natürlichen, mehrtausendjährigen Ursprung der Steine die Hier-und-jetzt-Gegenwart der polychromen Abgüsse. Zweifellos gilt es, wie so häufig bei Rondinone, die zwangsläufig instabile Antwort, die in seinen Setzungen beschlossen ist, in der Auslegung der Extreme und Intervalle zu suchen, die sie zulassen. In einem Spiel von Äquivalenzen. Einer Öffnung zur Welt, der Natur, und einem Rückzug in sich selbst. In einer so inkarnierten wie desinkarnierten Materie. Und, mit Rücksicht auf seinen hohen spirituellen Koeffizienten, der in unseren Tagen die große Ausnahme und in der zeitgenössischen Kunst sozusagen abwesend ist, in einem anagogischen Prinzip, das den seiner Skulpturengruppe zugrunde liegenden Transfigurationsprozess neu übersetzt und begleitet.
—Erik Verhagen
Aus dem Französischen von Stefan Barmann









